Wissen · Eigene Erhebung · 01. Oktober 2026

Wie oft ändern sich KI-Antworten?

Von Fabian Birk, Gründer von Zitio · zuletzt geprüft am 01. Oktober 2026

Wer ChatGPT heute fragt, wer in seiner Stadt der beste Friseur ist, und morgen dieselbe Frage stellt, bekommt eine andere Liste. Das weiß jeder, der es einmal ausprobiert hat. Wie viel anders, haben wir nachgezählt: dieselben Fragen, Wort für Wort, am 01. September 2026 und am 30. September 2026 — 14 Märkte, 2.064 Antworten. Jede Frage haben wir an beiden Tagen dreimal gestellt. So lässt sich trennen, was die Zeit verändert und was schon der Zufall der nächsten Abfrage.

1

ChatGPT, selber Tag: 17 %

Dieselbe Frage zweimal gestellt: Von allen Betrieben, die in den beiden Antworten vorkommen, stehen im Schnitt nur 17 % in beiden.

2

ChatGPT, einen Monat später: 15 %

Kaum weniger als am selben Tag. Der Monat ändert wenig, weil schon die nächste Abfrage den größten Teil der Namen austauscht.

3

Google: 38 % und 30 %

Google wiederholt sich rund 2,2-mal so stark wie ChatGPT — und verliert über den Monat trotzdem 8 Punkte.

Für ChatGPT heißt das: Der Unterschied zwischen heute und in einem Monat ist kaum größer als der zwischen zwei Versuchen am selben Nachmittag. Wer einzelne Antworten vergleicht, misst vor allem den Zufall. Bei Google ist die einzelne Antwort verlässlicher, aber auch dort ist ein Monat spürbar.

Die Spitze eines Marktes

Die fünf meistgenannten halten sich besser — aber nicht ganz

Über alle Antworten eines Marktes zusammengezählt wird das Bild ruhiger. Von den fünf Betrieben, die ChatGPT in einem Markt am häufigsten nannte, standen einen Monat später im Schnitt noch 3 unter den fünf häufigsten. Bei Google waren es 3,7.

Die Spitzengruppe ist also deutlich stabiler als jede einzelne Antwort. Sie ist aber kein fester Kreis: Bei ChatGPT wechselten im Schnitt 2 von fünf Plätzen, bei Google 1,3. Wer heute knapp dazugehört, kann nächsten Monat knapp draußen sein, ohne dass er irgendetwas anders gemacht hat.

Die einzelnen Betriebe

Was sich bei 17 Betrieben wirklich bewegt hat

Für jeden gemessenen Betrieb haben wir verglichen, in wie vielen Antworten er am 01. September 2026 und am 30. September 2026 vorkam, getrennt nach ChatGPT und Google. Das sind 34 Werte, und zwei Gruppen fallen dabei auf.

Unsichtbar bleibt unsichtbar: 11 Werte

11 der 34 Werte lagen beide Male bei null. Diese Betriebe kamen in keiner einzigen Antwort vor, weder im ersten noch im zweiten Lauf. Nicht genannt zu werden ist also kein Pech einer einzelnen Abfrage. Es ist ein stabiler Zustand.

Echte Bewegung: 4 Werte

4 Werte haben sich stärker bewegt, als der Zufall erklärt (3 bei ChatGPT, 1 bei Google). Alle übrigen schwankten in dem Rahmen, der bei dieser Zahl von Antworten normal ist, auch wenn ein Sprung von 67 auf 44 % auf den ersten Blick nach mehr aussieht.

Betrieb (anonymisiert)System01. September 202630. September 2026
Photovoltaik 2ChatGPT6 % (3 von 54)26 % (14 von 54)
RestaurantChatGPT3 % (1 von 36)25 % (9 von 36)
FahrschuleGoogle100 % (18 von 18)61 % (11 von 18)
Kfz-WerkstattChatGPT17 % (6 von 36)0 % (0 von 36)

Ehrlicherweise gehört eine Einschränkung dazu: Bei 34 Prüfungen wären etwa 1,7 solcher Treffer schon aus reinem Zufall zu erwarten. 4 ist mehr als das, aber nicht so viel mehr, dass man jeden einzelnen Wert als Trend lesen sollte. Der Wert „Fahrschule“ beruht außerdem auf nur 18 Antworten je System, der kleinsten Stichprobe der Erhebung. Auffällig ist das Verhältnis: 3 der 4 Bewegungen liegen bei ChatGPT. Das passt zu den Zahlen oben.

Die praktische Folge

Ab wann eine Veränderung echt ist

Bei 36 Antworten je Messung und einem Wert um 20 % muss sich die Quote um rund 18 Prozentpunkte bewegen, bevor man von einer echten Veränderung sprechen kann. Alles darunter kann der Zufall gewesen sein, und ein Bericht, der „+8 Punkte" feiert, feiert dann nichts.

Einmal fragen sagt nichts

Bei ChatGPT stehen zwei Antworten auf dieselbe Frage nur zu 17 % auf denselben Namen. Wer sich einmal findet, hat keinen Beweis, dass er sichtbar ist. Wer sich einmal nicht findet, hat keinen Beweis für das Gegenteil.

Null ist ein echtes Ergebnis

Andersherum gilt: Wer in vielen Antworten nie vorkommt, kommt einen Monat später in aller Regel auch nicht vor. Von 14 Werten, die im ersten Lauf bei null lagen, standen 11 auch im zweiten bei null, die übrigen bei höchstens 6 %. Diesen Befund muss man nicht wegerklären.

Im Abo messen wir jeden Standort deshalb alle drei Tage mit 120 Antworten, 60 je System statt 36. Damit sinkt die Schwelle für eine einzelne Messung auf rund 14 Punkte. Eine Richtung ergibt sich trotzdem erst aus mehreren Messungen hintereinander, nicht aus einer. Wie wir fragen und zählen, steht im Messbericht.

Grenzen

Was diese Zahlen nicht sind

Es sind zwei Läufe im Abstand von einem Monat, nicht ein Jahr Beobachtung. Gemessen wurde beide Male mit denselben Modellen (gpt-5.6-luna mit Websuche, gemini-3.6-flash mit Google-Suche). Ob die Anbieter hinter demselben Namen etwas verändert haben, können wir von außen nicht sehen. Für jemanden, der ChatGPT oder Google fragt, macht das allerdings keinen Unterschied, er bekommt die Antwort, die er bekommt.

Die Betriebsnamen stammen aus einer automatischen Erkennung in Fließtext. Sie verwechselt gelegentlich zwei Schreibweisen desselben Betriebs oder hält eine Zwischenüberschrift für einen Namen. Das drückt alle Werte etwas nach unten, den Tagesvergleich aber genauso wie den Monatsvergleich. Belastbar ist das Verhältnis der beiden Werte, nicht die Einerstelle.

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