Wissen · Eigene Erhebung · 01. September 2026

Wie wenig ChatGPT und Google sich überschneiden

Von Fabian Birk, Gründer von Zitio · zuletzt geprüft am 01. September 2026

Dass ChatGPT und Google unterschiedlich antworten, ist bekannt. Wie groß der Unterschied ist, hat unseres Wissens niemand gezählt. Wir haben es getan: über 14 Märkte und 1344 Antworten haben wir jeden Betriebsnamen erfasst, den eines der beiden Systeme empfohlen hat — und dann die Schnittmenge gebildet.

1

Nur ChatGPT: 1018

So viele Betriebe empfiehlt ausschließlich ChatGPT — bei Google tauchen sie in keiner einzigen Antwort auf.

2

In beiden: 237

Nur diese Betriebe kennen beide Systeme. Das sind 14 % aller genannten.

3

Nur Google: 300

Und so viele kennt nur Google — ChatGPT nennt sie nie.

Anders gesagt: Wer bei einem der beiden Systeme empfohlen wird, hat damit in etwa 14 von 100 Fällen auch beim anderen eine Chance. Das ist kein Ausreißer einer Branche — der Wert lag in allen 14 gemessenen Märkten in derselben Größenordnung.

Die naheliegende Erklärung — und warum sie nicht stimmt

„ChatGPT nennt einfach mehr Namen"

Das wäre die einfache Auflösung: Wer je Antwort mehr Betriebe aufzählt, hat am Ende automatisch die größere Menge, und die Überschneidung fiele allein deshalb klein aus. Wir haben es geprüft, bevor wir diesen Text geschrieben haben.

Namen je Antwort

ChatGPT nennt im Schnitt 6.6 Betriebe je Antwort, Google 6.5. Praktisch gleich viele — die Ausführlichkeit erklärt den Unterschied nicht.

Gegenprobe mit gedeckelter Liste

Zählt man je Antwort nur die ersten fünf Namen, kann kein System durch längere Listen gewinnen. Die Überschneidung liegt dann bei 16 % statt 14 % — also unverändert.

Was wirklich dahintersteckt

Google wiederholt sich. ChatGPT streut.

Der Unterschied liegt nicht in der Menge je Antwort, sondern darin, wie stark ein System bei denselben Namen bleibt, wenn man dieselbe Frage mehrfach stellt.

Google bündelt

Auf die drei meistgenannten Betriebe eines Marktes entfallen bei Google 36 % aller Nennungen. Insgesamt kam Google über alle Märkte mit 537 verschiedenen Betrieben aus.

ChatGPT verteilt

Dieselben drei kommen bei ChatGPT nur auf 21 %. Dafür tauchten dort 1255 verschiedene Betriebe auf — bei praktisch gleicher Namenszahl je Antwort.

Für einen Betrieb heißt das zwei sehr verschiedene Dinge. Bei Google gehört man zu einem kleinen, stabilen Kreis — oder nicht. Bei ChatGPT ist das Feld breiter und wechselt: einmal genannt zu werden bedeutet wenig, einmal nicht genannt zu werden aber auch.

Die praktische Folge

Eine einzelne Abfrage sagt fast nichts

Wer ChatGPT einmal fragt und seinen Betrieb nicht findet, hat nicht gemessen, dass er unsichtbar ist — er hat eine von vielen möglichen Antworten gesehen. Und wer sich einmal findet, hat keinen Beweis für das Gegenteil. Erst die Wiederholung ergibt eine Zahl, und erst der Vergleich über die Zeit zeigt eine Richtung.

Genau deshalb misst unser eigener Check nicht einmal, sondern mehrfach — und die laufende Messung wiederholt dieselben Fragen in festem Takt. Die Methode, die Fragen und die Grenzen stehen im Messbericht; die Rohdaten dieser Auswertung liegen dort als CSV zum Herunterladen.

Grenzen

Was diese Zahl nicht ist

Die Namen stammen aus einer automatischen Erkennung in Fließtext. Sie ist nicht fehlerfrei: gelegentlich hält sie eine Zwischenüberschrift für einen Betrieb. Das trifft beide Systeme gleichermaßen und verschiebt eine Schnittmenge kaum — aber es heißt, dass 1255 und 537 Näherungen sind und keine Registerauszüge. Belastbar ist das Verhältnis, nicht die Einerstelle.

Und es ist eine Momentaufnahme von 30. September 2026. Ob die Überschneidung über Monate stabil bleibt, zeigt erst eine Reihe von Läufen. Wie stark sich die Antworten zwischen den ersten beiden verändert haben, steht in Wie oft ändern sich KI-Antworten?

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