Wissen · Eigene Erhebung · 01. Oktober 2026

KI-Sichtbarkeit messen: was die Zahl bedeutet und was nicht

Von Fabian Birk, Gründer von Zitio · zuletzt geprüft am 01. Oktober 2026

„Ihre KI-Sichtbarkeit: 25 %." Solche Zahlen zeigen inzwischen viele Werkzeuge, unseres auch. Was dahintersteckt, steht selten dabei. Dabei hängt an drei Fragen, ob eine solche Zahl etwas taugt: Was wurde gefragt, wie oft, und wie genau ist das Ergebnis? Hier die Antworten, mit unseren eigenen Messdaten als Beispiel.

Was die Zahl ist

Der Anteil der Antworten, in denen Ihr Betrieb vorkommt

1

Fragen, wie Kunden fragen

Nicht „kennst du Firma X?", denn darauf antwortet jedes System freundlich. Sondern „bestes Restaurant in Ludwigsburg" oder „wer macht … in …": die Fragen, bei denen der Betrieb von selbst genannt werden muss.

2

Jede Frage mehrfach

Dieselbe Frage liefert am selben Tag verschiedene Antworten. Bei ChatGPT stehen zwei Antworten auf dieselbe Frage nur zu 17 % auf denselben Namen. Erst viele Wiederholungen ergeben einen Anteil.

3

Mit Unsicherheit

Aus 36 Antworten lässt sich ein Anteil nur auf einige Punkte genau bestimmen. Eine ehrliche Zahl sagt dazu, wie genau sie ist.

Ein Beispiel aus unserem Messbericht: Das gemessene Restaurant in Ludwigsburg stand in 9 von 36 ChatGPT-Antworten, also 25 %. Das 95-%-Band beträgt bei dieser Zahl von Antworten ± 14 Punkte. Der wahre Wert liegt also irgendwo zwischen 11 und 39 %. Bei Google stand dasselbe Restaurant in 86 % der Antworten (± 11). „25 %" allein klingt genauer, als es ist.

Eigene Messung

Die Formulierung zählt weniger, als es aussieht

Naheliegender Verdacht: Die Zahl hängt vor allem daran, welche Fragen man stellt. Wer „bester Friseur" fragt, bekommt andere Namen als bei „Friseur Empfehlung". Wir haben das an unseren Rohdaten geprüft und dabei zuerst genau das gesehen, was den Verdacht bestätigt.

Auf den ersten Blick: riesige Unterschiede

Bei 10 von 19 Werten, bei denen ein Betrieb überhaupt genannt wurde, lagen die beste und die schlechteste Formulierung 50 Punkte oder mehr auseinander. Das Restaurant kam bei ChatGPT mit einer Frage in 67 % der Antworten vor, bei 4 anderen Fragen in keiner einzigen.

Nachgerechnet: fast immer Zufall

Jede Formulierung lief dreimal. Bei drei Versuchen sind „zwei von drei" und „keiner von drei" auch bei einem Betrieb mit immer gleicher Chance ganz normal. Ein Test, der genau das berücksichtigt, findet nur bei 1 von 19 Werten einen Unterschied zwischen den Formulierungen, der über den Zufall hinausgeht.

Die Ausnahme ist lehrreich. Der gemessene Betrieb im Markt MPU-Vorbereitung kam bei ChatGPT in einer Formulierung in allen drei Antworten vor: bei der neutralen Frage, wer das in der Stadt anbietet. Bei allen Fragen nach dem „besten", dem „seriösesten" oder einer „Empfehlung" stand er in keiner. Wer nur nach Empfehlungen fragt, hält diesen Betrieb für unsichtbar. Wer nur neutral fragt, hält ihn für bekannt.

Für die anderen 18 Werte heißt das: Eine einzelne Formulierung, dreimal gestellt, kann beim selben Betrieb einmal zwei Drittel und einmal null ergeben, ohne dass sich an ihm irgendetwas unterscheidet. Belastbar wird die Zahl erst über viele Formulierungen zusammen. Deshalb lohnt es nicht, nach der „richtigen" Frage zu suchen. Es lohnt, viele zu stellen.

Was die Zahl nicht ist

Fünf Dinge, die man in sie nicht hineinlesen sollte

Kein Platz in einer Rangliste

Gezählt wird, ob der Betrieb in der Antwort vorkommt, nicht an welcher Stelle. Wer an fünfter Stelle steht, zählt genauso wie der Erste. Die Zahl sagt, wie oft Sie im Spiel sind, nicht, wie weit vorn.

Nicht die KI-Übersicht der Google-Suche

Für den Kasten über den Suchergebnissen gibt es keine offizielle Schnittstelle. Wir messen Gemini mit eingeschalteter Google-Suche (gemini-3.6-flash): dieselbe Modellfamilie, wiederholbar, aber eine Näherung. Wer etwas anderes verspricht, sollte sagen, wie er misst.

Nicht das, was Sie persönlich sehen

Gemessen wird ohne Konto und ohne Verlauf, der Ort steht in der Frage. Wer selbst eingeloggt fragt, bekommt eine Antwort, in die auch seine eigenen früheren Unterhaltungen hineinspielen können. Die Messung zeigt, was ein fremder Kunde sieht, nicht Sie selbst.

Keine Besucherzahl

Genannt werden heißt nicht angeklickt oder angerufen werden. Die Zahl misst die Chance, in die engere Wahl zu kommen. Was danach passiert, entscheiden Ihr Profil, Ihre Bewertungen und Ihre Website.

Nicht zwischen Anbietern vergleichbar

Andere Fragen, andere Wiederholungen, andere Zählweise: andere Zahl. Und das System macht einen großen Unterschied. In unserer Erhebung lagen beim selben Betrieb am selben Tag bis zu 90 Punkte zwischen ChatGPT und Google. Eine Zahl ohne Angabe, welches System gemessen wurde, ist keine.

Die praktische Folge

Woran Sie eine brauchbare Zahl erkennen

Fragen Sie bei jeder KI-Sichtbarkeit, die Ihnen jemand zeigt, nach vier Dingen: Welche Fragen? Wie viele Antworten? Welche Systeme? Wie groß ist das Band? Fehlt eine der vier Antworten, ist die Zahl eine Behauptung.

Für Veränderungen gilt dasselbe in verschärfter Form. Bei 36 Antworten muss sich ein Wert um rund 18 Punkte bewegen, bevor die Veränderung echt ist. Wie stark sich KI-Antworten von Monat zu Monat tatsächlich verändern, steht in Wie oft ändern sich KI-Antworten? Im Abo zeigen wir deshalb den Schnitt der letzten drei Monate samt Band, keinen Einzelwert.

Grenzen

Was dieser Befund nicht beweist

„Kein Unterschied nachweisbar" heißt nicht „kein Unterschied". Mit drei Wiederholungen je Formulierung findet ein Test nur große Effekte. Kleinere Unterschiede zwischen Formulierungen kann es geben. Sie gehen in der Schwankung einer einzelnen Frage aber unter, und genau das ist der Punkt: Wer eine einzelne Formulierung misst, misst vor allem den Zufall.

Grundlage ist unser Studienlauf vom 30. September 2026: 34 Werte (17 Betriebe, je ChatGPT und Google), 6 bis 18 Formulierungen je Markt, jede dreimal. Die Namenserkennung ist dieselbe wie im Messbericht.

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